Vilbel: Elisabethenhain

Abb: Idealansicht der großen Baumschule Elisabethenhain.
Holzstich von Johann Jakob Ettlin um 1888 (X.A. = Xylographische Anstalt.) Aus Möller’s Deutsche Gärtner-Zeitung 1889, 4. Jhrg. Seite 52-53. (Ettlin fertigte auch den Titel zum Struwwelpeter).

 

Der Elisabethenhain, die Baumschule der Gebrüder Siesmayer, war eine „Lieblingsschöpfung“ von Heinrich Siesmayer und wurde zwischen 1877 und 1889 in Vilbel* errichtet. Diese Baumschule existierte 55 Jahre bis 1932. Die Bezeichnung gab ihm Heinrich Siesmayer nach seiner verstorbenen Frau Elisabeth. [Die Namensgeberin der Bad Vilbeler Elisabethenquelle ist hingegen Elisabeth Beurer.]

Die Idee von Heinrich Siesmayer war es, „ein größeres öffentliches Handels-Institut zu gründen, wo junge Leute sowohl in der Pomologie, als auch in der wilden Baumzucht Unterricht erhalten können.
Sämtliche Sortimente eingeführter Bäume, Sträucher, Koniferen, Obst und dergleichen bleiben als Solitär- resp. Mutterpflanzen im Institut zur Ansicht des Publikums, um deren Wachstum, Habitus, Sorte, Früchte kennen zu lernen. Der erste, reichhaltige Katalog ist nunmehr fertiggestellt. Die ganze gärtnerische Baumanlage wird Ende April oder Anfang Mai dieses Jahres (1889) ihre Vollendung erreicht haben…“

Skizze von H. Siesmayer zu einem Antrag an das Großherzoglich Hessische Ministerium der Finanzen Darmstadt vom April 1878, in dem er das Gelände rund um den Südbahnhof erwerben möchte, um das durch den Bau der Main-Weser-Bahn entstandene tiefe Loch und die Umgebung gestalterisch zu verbessern.  „Da ich nun zur Arrondierung meines Etablissements, das dort angrenzende, der königlichen Direction der Main-Weser-Bahn gehörige Grundstück, eine ca. 4-5m tief ausgegrabene Fläche … wo sich das ganze Jahr Grundwasser befindet … auch der Bahnhof durch eine gärtnerische Anlage und Wegfall dieses Wasserloches, sehr an Ansehen gewinnen wird, … , gerne käuflich erwerben möchte, … „

„… Dies Institut soll nicht allein dem Handel dienen, sondern in meiner Absicht liegt es, dasselbe zu einer gemeinnützigen Anstalt für Gärtner und Laien nutzbringend zu machen. In meinem Testament habe ich deshalb bestimmt, daß dieser Garten an Sonntagen gegen ein kleines Entrée, die Höhe desselben (etwa 5 oder 10 Pfennig) meinen Söhnen überlassend, für Jedermann offen steht. Das daraus geIöste Geld ist für die Armen von ViIbel und Bockenheim bestimmt, ohne Unterschied der Konfession. Auf gutgeschriebenen Zinketiquetten sind sämtliche Pflanzen, mit genauer Angabe des botanischen Namens und Vaterlandes, für jedermann leserlich, angebracht, so daß sich für Laien und Fachleute, geschäftlich, wie wissenschaftlich, die Reise nach dem Elisabethenhain lohnen dürfte. …“

STRASSENNAMEN
Heute erinnern in Bad Vilbel im dort seit 1933 errichteten Wohngebiet nur noch die Straßennamen Siesmayerstraße, Elisabethenstraße, Elisabethenhain und die Grünanlage entlang des Berkersheimer Weges (die im Volksmund auch „Siesmayeranlage“ genannt wird) an die Geschichte dieser großen Baumschule.

GEDENKTAFEL
Im Vorgarten der Siesmayerstraße 41 ist allerdings durch das Engagement eines Anwohners die Alte Siesmayer-Gedenktafel von 1887 nunmehr seit Sommer 2016 wieder öffentlich zugänglich!

Auch der Brunnen, aus dem seinerzeit das Wasser für die Bewässerung des Elisabethenhains und das Befüllen der Teichanlage gewonnen wurde, existiert noch heute auf einem Privatgrundstück im Berkersheimer Weg und fördert Wasser zum bewässern der Gärten.

DIE IDEE
Über die Idee und Intention, den Elisabethenhain zu errichten, schreibt Heinrich Siesmayer ausführlich in seinen Lebenserinnerungen.

AUSGRABUNGEN
Im Rahmen der Errichtung des Elisabethenhains wurden zahlreiche weitere römische Funde gemacht, die heute im Landesmuseum Darmstadt verwahrt werden.

LETZTE SPUREN
Im Jahre 1937, als das Gelände aufgelassen und neu bebaut wurde, konnte man u.a. noch die Ruinen der Treibhäuser zwischen heute Siesmayer- und Frankfurterstraße (Blickrichtung) sehen.

(Im Hintergrund das ehem. Gebäude des Amtsgerichts, heute Sparkasse. Fotos: © Archiv Fam. Hübner, Bad Vilbel)

 

 


* Die „Stadt Bad Vilbel“ gibt es namentlich so erst durch die Verleihung der Stadtrechte und dem Prädikat „Bad“ im Jahre 1948.